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Der "Ostwall" im heutigen Polen

Die Reisen an den "Ostwall", oder auch "Oder-Warthe-Bogen" genant (nahe Pniewo und Kaława, PL), sind mittlerweile fest in meinem jährlichen Urlaubsprogramm integriert. Neben der wunderbaren Natur und den vielen freundlichen Menschen, findet man in dieser Region auch eine reichhaltige Fülle von Aktions- und Regenerationsmöglichkeiten vor.

Wie wäre es mit einer Kanutour auf der Warthe, oder der Besichtigung der alten Burgfestung in Międzyrzecz? - Fast alles ist hier möglich... Und noch sehr viel Mehr! Schön wäre wenn auch Ihr die Gelegenheit hättet, diese Gegend im "Lebuser Land" einmal Besuchen kommen könntet.

Tunnelsystem

Bild: Lars Schiewe

Lars Schiewe

Der Oder-Warthe-Bogen

Das Międzyrzeczer Befestigungsgebiet ist ein wirklich außergewöhnlicher Landschaftsteil. In dieser Region befinden sich zahlreiche Bunkeranlagen die mit mächtigen  Stahlkuppeln versehen sind, sowie Panzersperren (sog. ”Drachenzähne”), die sich über viele Kilometer durch Landschaft fressen. Die Überreste dieses Befestigungsgebietes flößen so manchem noch bis heute Ehrfurcht ein. Der Oder-Warthe-Bogen ist die größte Attraktion im Międzyrzeczer Umland und lockt jedes Jahr Touristenscharen aus ganz Europa an.

Das Midzyrzeczer Befestigungsgebiet wurde vom Deutschen Reich zwischen und während der beiden Weltkriege als Grenzschutzbefestigungsanlage konzipiert. Die Befestigung bestand vorerst nur aus einzelnen und unabhängigen Bunkersystemen, die autonom agierten. Etwa 21 von ihnen waren durch ein unterirdisches Hohlgangsystem miteinander verbunden. Diese Tunnel befinden sich in einer Tiefe von ca. 30-70 m, und erstrecken sich über eine Gesamtlänge von ca. 35 Kilometer!

Die Hauptachse dieses unterirdischen Labyrinths nennt man ”Hauptkorridor”, oder auch ”Hauptweg”. Er verläuft entlang der Nord-Süd-Achse des Oder-Warthe-Bogens und bildet den sog. ”Mittelabschnitt”. In dem Hauptkorridor befinden sich auch ”Gleise” für eine Schmalspurbahn, welche für den Truppen- und Munitionstransport innerhalb der Anlage genutzt werden sollte.

Vom ”Hauptweg” zweigen zahlreiche Hohlgänge in die verschiedensten Richtungen ab. Diese führen meist zu den Bunkeranlagen, die auch als Panzerwerke bezeichnet weden. Es gibt jedoch auch Verbindungen zu den großen Panzerbatterien, unterirdischen Munitionslagern und Kasernen. über eine gewaltige Betontreppe konnte man vom Hohlgangssystem in den oberirdischen Bunkerteil gelangen. In manchen Abschnitten gab es dafür sogar Personenaufzüge, Die riesigen Bunkeranlagen waren mit Stahlkuppeln ausgestattet, die eine Wandstärke von bis zu 25 cm besaßen. Dort installierte man Maschinengewehre, Flammenwerfer und Motorgranatwerfer, die eine Wurfleistung von 140 Geschossen pro Minute erreichen konnten.

Außer Kampfräume, gab es in den Panzerwerken auch Schlafräume, Toiletten, Maschinenräume, u. dgl..
Das ganze unterirdische System war auf diese Weise mit allen unentbehrlichen Einrichtungen ausgestattet!

Am 30. Januar 1945 wurde das Gebiet um Międzyrzecz fast kampflos von der Roten Armee eingenommen. An der Stelle, wo die Befestigung durchgebrochen wurde, befindet sich heute ein Mahnmal aus den Resten eines gesprengten Bunkers.

Die verlassenen und teilweise ”vergessenen” Bunker schliefen etwa 45 Jahre lang. Während dieser Zeit boten Sie vielen Arten von Fledermäusen ein Zuhause. Die Forschung aus über zwanzig Jahren zeigt, dass die ehemalige Befestigung heute eines der größten Fledermausüberwinterungsquartiere in Europa ist.

Jedes Jahr überwintern hier etwa 30.000 dieser seltenen Säugtiere, die eine riesige Kolonie aus etwa zwölf Gattungen bilden. Manche Arten, die in diesen Bunkeranlagen vorkommen, sind richtige Naturphänomene, also sehr selten und vom Aussterben bedroht! Deshalb wurden die Naturschutzgebiete ”Nietoperek” und ”Nietoperek II” ins Leben gerufen.

Seit dem Jahr 1999 ist die gesamte Befestigung als Naturschutzgebiet anerkannt. Das Ziel der Reservatschaffung ist der Erhalt der Fledermausquartiere. Aus diesem Grund wurden alle Eingänge zu den Befestigunsanlagen mit Gittern verschlossen. Das Besichtigen der unterirdischen Anlagen ist deshalb nur mit einem sachkundigen Führer in bestimmten für touristen ausgewiesenen Teilen möglich. Besichtigungen sind aus diesem Grund nur in der Ortschaft Pniewo (ehemaliges Staatsgut Kaława) möglich, dass sich etwa 12 km südlich von Międzyrzecz befindet.

Lars Schiewe

Infos für Touristen:

Aktuelle Informationen zu Ein- und Ausreisebestimmungen erhalten Sie bei jedem Automobilclub, dem Zoll und ggf. auch bei Ihrer Versicherung. Auf der Webseite vom Deutschen Zoll erhalten Sie ebenfalls Informationen zu Reisefreimengen. Es ist in jedem Fall empfehlenswert, eine Auslandsreisekrankenversicherung mit Rückholservice abzuschließen. Prüfen Sie bitte auch, ob Ihre anderen Versicherungen im Ausland genügend ”Schutz” bieten. Bei Anreise mit dem eigenen Pkw ist zu beachten dass die ”Grüne” Versicherungskarte keinesfalls fehlen sollte.

Letzte Änderung: 27.07.2009, 10:33 Uhr

Lars Schiewe

Unterirdische Touren

Büro Pniewo
66-305 Kaława
Tel./Fax +48 95 741 99 99

GPS: 52º 22' 17,15" N, 15º 30' 24,34" E

E-Mail: mosiw@poczta.fm
Webseite: http://www.bunkry.pl
Map: Lageplan

Tunnelsystem

Bild: Lars Schiewe